Verena Nolte
„Der Milchkrug“

256 Seiten
Folio Verlag
25,- Euro







Ein Südtiroler Mädchen erlebt Krieg und Neuanfang
Nach den Erinnerungen von Paula Morandell


„Schau, dass dein Milchkrug immer voll ist“
Wenn Südtirol heute zu den glücklichsten Regionen Europas zählt, ist dies nur ausgleichende Gerechtigkeit. Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war alles andere als glücklich für diese Alpenregion, die sich gleich mit zwei faschistischen Regimen auseinandersetzen musste. Zeitzeugen, die von jenen Tagen noch berichten können, werden immer weniger. Um so wichtiger ist das neue Buch aus dem Folio Verlag, das die Lebensgeschichte der Paula Morandell nacherzählt. Sie ist 1934 in Kaltern geboren und steht noch heute als Seniorchefin im wohl schönsten Törggelenkeller Südtirols. Die Journalistin Verena Nolte wurde auf sie aufmerksam, als sie begann ihre Lebensgeschichte zu erzählen. 1938 als der Vater arbeitslos wurde waren ihre Eltern auf die Option der Nationalsozialisten eingegangen, die die Südtiroler „heim ins Reich“ holen wollten. Als die russische Armee dann 1945 in Österreich einmarschierte, flohen die Mutter und ihre fünf Kinder, wohin – zurück in die Südtiroler Heimat. Paula Morandell reiste heute für das Buch die Fluchtstrecke noch einmal mit der Buchautorin ab und erinnerte sich dabei an ihre schwere Kindheit.
Doch das Buch macht nicht nur Halt in der schweren Zeit, es zeigt auch exemplarisch anhand dieses Einzelschicksals, wie es nach dem Krieg mit Südtirol aufwärts ging. Diese Lebensgeschichte ist nicht mit Gold aufzuwiegen und zeigt deutlich, was den Menschen im 20. Jahrhundert angetan wurde. Es strahlt aber auch den Lebensmut einer Frau aus, die niemals aufgegeben hat und symbolhaft für den Erfolg der Menschen in jener Alpenregion steht, die heute zum Sehnsuchtsort diesseits und jenseits der Alpen wurde.