Die Welt wird immer komplizierter. Das Leben stellt uns ständig vor neue Fragen. Bücher haben Antworten! Und ein Gedicht kann den Himmel aufhellen.

Gedicht des Monats




Hier. Heute.

Schon sind wir das Vergessen, das wir werden.
Elementarer Staub, der uns nicht kennt,
der jener rote Adam war und der jetzt
alle Menschen ist und uns allzeit verborgen bleibt.
Wir sind bereits im Grab, Anfang und Ende
sind uns schon eingeschrieben. Die Totenkiste,
der widerwärtige Zerfall, das Leichentuch,
die Zeremonien und die Totenklagen.
Ich bin nicht wahnbesessen, klammere mich nicht
an den magischen Klang meines Namens.
Voller Hoffnung denke ich an den Menschen,
der nicht wissen wird, dass ich auf Erden war.
Unter dem gleichgültigen Blau des Himmels
ist diese Überlegung mir ein Trost.



Héctor Abad
"Das Gedicht in der Tasche"

136 Seiten
Berenberg
20,- Euro



Eine handschriftliche Abschrift dieses Gedichtes findet Héctor Abad in der Jackentasche seines 1987 in Medellín ermordeten Vaters. Der Mediziner mit seinen fortschrittlichen Ideen war vielen Mächtigen in Kolumbien ein Dorn im Auge. Das Gedicht ist unterschrieben mit J.L.B. also Borges?
Doch fast alle behaupten das Gegenteil. Héctor Abad macht sich auf die Suche nach der Wahrheit, es wird eine Reise um die Welt und in das Herz der lateinamerikanischen Poesie.