Die Welt wird immer komplizierter. Das Leben stellt uns ständig vor neue Fragen. Bücher haben Antworten! Und ein Gedicht kann den Himmel aufhellen.

Gedicht des Monats




Zur Philosophie

Wir müssen davon ausgehen,
daß Voraussagen nicht eintreffen,
etwas geht immer schief. Immer.
Auf den Menschen ist kein Verlaß,
deshalb sind wir noch am Leben.
Einer schaut aus dem Fenster
und blickt einem Hund hinterher,
der andere bewundert das Licht
auf den hellen Blättern der Linde.
Zu viele sind bei sich, also nicht
bei der Sache. Wir haben eine Ahnung
von unseren Grenzen, mehr nicht.
Die Geschichte, sagt ein Freund,
ist die Wissenschaft vom Unglück
des Menschen, von Leopardi bis Cioran.
Die Poetik des Unvollendeten,
die feste Verbindung von Philosophie und Trauer,
daran wollen wir arbeiten, denn:
der Mensch ist ein zögerndes Wesen –
oder nicht?
Komm, laß uns gehen, das Gehen
hilft uns, das Geläufige zu verstehen,
ohne daß wir es übersetzen müssen.


Michael Krüger


Aus:
"Einmal einfach"
130 Seiten
Suhrkamp Verlag
20,- Euro